Ein Brief an meine Mama
Zum Muttertag 10.5.2026
Christina B.
Und er kommt zu spät, der Brief.… weil ich selber mit Muttersein beschäftigt war.
Ich schreibe diese Zeilen an einem Tag, an dem es sich schwer anfühlt Mutter zu sein. Nach einer sehr unruhigen Nacht mit wenig Schlaf. Nach einem Abend voller Streit, Geschrei, Unzufriedenheit, Tränen, Schuldgefühlen…
Ich stehe einmal mehr ohnmächtig an einem Punkt, an dem ich nicht weiter weiss… Vor verschlossener Tür und habe keine Ahnung wo der Schlüssel ist, geschweige denn wo ich danach suchen soll.
Es gab sie schon oft diese Situationen, erinnerst Du Dich? Eines Abends fuhren wir vom Spital nach Hause, im Maxicosi ein dreimonatiges Baby, im Gepäck eine lebensbedrohliche Diagnose, ich mit Fieber, Schnupfen und Gliederschmerzen, sank in der Küche nur noch zu Boden und wusste nicht wie ich den nächsten Tag überstehen sollte. Du weintest mit mir, weil Du den Anblick nicht ertragen konntest. Du hast mir hoch geholfen, mich ins Bett gebracht und bist erst gegangen als ich versorgt und Du sicher warst, dass ich Dich anrufe, wenn ich etwas brauche. Diese Momente wiederholten sich einige Male. Auch später als der Kleine wieder auf den Beinen war und meine Ehe zerbrach. Es schien weder links noch rechts einen Weg zu geben und doch zeigte sich der Schlüssel eines Tages. Und auch da warst Du immer zur Stelle. Du weisst, dass ich Dir dafür nicht genug danken kann. Ganz egal in welcher Situation ich steckte, Du hast immer an eine Lösung geglaubt, auch wenn sie noch nicht sichtbar war. Dieses Vertrauen versuche ich heute ebenfalls zu fühlen, noch nicht wissend wie es weitergehen wird.
In den letzten Tagen ging mir durch den Kopf, wie ich mich immer wieder bei Dir bedankt habe für alles was Du für mich und uns getan hast, seit der Kindheit und all die vergangenen Jahre…
Es gibt jedoch etwas sehr Wichtiges, was mir nie richtig bewusst war: Wie schön und unglaublich wertvoll es ist, eine liebende Mutter zu haben, die sich immer für ihre Kinder und ihr Wohl einsetzt, besonders als Tochter. Nicht nur, weil ich diese Liebe erfahren durfte und darf - auch dafür bin ich dankbar - aber nein, viel mehr weil es mich geprägt hat, wie eine Mutter ist. Weil ich so selber zu einer Mutter wurde, die ihre Kinder liebt, sie auf ihrem Weg begleiten will und um ihr Wohlbefinden besorgt ist. Für sie da sein zu wollen, nicht nur fürs Mittagessen und Wäsche waschen. Auch um ihre Sorgen zu hören, ihre Ängste zu mindern, ihren Schmerz zu verstehen, ihre Wut auszuhalten, Freude zu teilen, miteinander Lachen und Spielen zu können, mit ihnen zu wachsen und zu heilen. Und das habe ich wohl grösstenteils von Dir gelernt, liebe Mama. DANKE!
Dabei bin ich selber mein grösster Kritiker. Jeden zweiten Tag finde ich Dinge, die ich nicht gut genug gemacht habe, wo ich zu wenig da oder präsent war, wo ich Pause brauche von allem, weil es mich schlichtweg überfordert, wo ich Abstand brauche um klar zu werden… und und und… Auch das habe ich ein bisschen von Dir. Immer zu schauen, was man denn selber noch verbessern kann um zu genügen. Und deshalb denke ich heute, dass es genug ist. Du bist gut genug und besser als Du denkst. Ich bin gut genug, auch wenn ich nicht perfekt bin. Und meiner Tochter werde ich dies ebenfalls beibringen. Jede Mutter in meinem Umfeld ist gut genug und liebt ihre Kinder. Und genau diese Mütter braucht die Welt. Die Kinder werden sich nicht daran erinnern, ob die Wäsche immer pünktlich gewaschen und perfekt gefaltet im Schrank lag. Aber sie werden sich erinnern, ob wir ihnen zugehört haben, ihre Wunden versorgt, ihr Leid geteilt, ihre Tränen getrocknet, ihre Freude mitgefühlt und ihre Erfolge gefeiert haben.
Deshalb - DANKE Mama, dass du mein Vorbild warst und mir gezeigt hast wie eine Mutter ist.
Und auch wenn es Tage gibt, an denen sich Mutter sein wie der schwerste Job der Welt anfühlt. Ich weiss, dass es wieder leichter und erfüllender wird. Ich schliesse meine Kinder in die Arme und bin froh dass es sie gibt.
Ich wünsche Dir einen wundervollen Muttertag! Der Dank Deiner Kinder soll Dir nicht nur heute, sondern jeden Tag neu ins Herz gelegt werden.
Christina Baker
5416 Kirchdorf AG
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